April 2005
Sicherheit
Lebensgrundlagen
sind heute in unserer Gesellschaft unsicher geworden. Sicherheit ist ein
Hauptthema in Politik und Medien. Wohlstand gibt es nur, wo auch Sicherheit
herrscht.
Wie
war es früher?
Sicherheit
gab es ursprünglich vor allem durch die Gruppe, zunächst die Familie,
dann das Dorf. Unter Familie verstand man ursprünglich alle zum Haus gehörigen
Personen, also auch Mitarbeiter, Angestellte. Zu den Lebensgrundlagen gehörte
dann vor allem das Land, die fruchtbare Erde für den Anbau oder/und das
Land, das Weidetiere ernähren kann.
Dazu
gehört die Kultur und die Kenntnisse, die den Umgang miteinander
und das Verhalten zur Natur tradierte.
Heute
geht alles dies verloren. Ersetzt wurde dies durch die industrielle Bewegung.
Kinder lernen heute mit Apparaten umzugehen. Dabei lernen sie nicht einmal die
Logik und Funktionsweise kennen, um Technik kreativ einsetzen zu können, um sie
auf ihren persönlichen Bedarf zuzuschneiden und zu reparieren.
Produktionsmittel und Stoffe sind ihnen aus der Hand genommen. Trotzdem beruht
das Leben in der Industriegesellschaft auf der Benutzung dieser Dinge.
Nahezu
alle materiellen Bereiche sind inzwischen fremdübernommen worden. Dafür
brauchen wir eine Summe an Geld, für die wir
ca acht Stunden am Tag lohnarbeiten müssen.
Es
stimmt nicht, dass wir nur Steuern zahlen. Nein.
Wir
zahlen an Lebenszeit, wenn wir unter Bedingungen arbeiten, die nicht dem
Menschen entsprechen. Folge ist Krankheit und das Fehlen der Zeit zur Regelung
der eigenen Angelegenheiten.
Eine
Großfamilie mit eigenem Garten hat noch alle Grundlagen zur eigenen
Grundversorgung an Materiellem, Ernährung, sozialer Betreuung und Sorge und
Erziehung der Kinder. Kultur und Kenntnisse werden tradiert. Hier können
Mitglieder der Familie in Lohnarbeit gehen für materielle Dinge, ohne dass die
Familie oder die Gesundheit Schaden nimmt.
Eine
Kleinfamilie, bestehend aus Mann und Frau, kann die eigene Grundversorgung nicht
sichern. Kinder oder Karriere. Kinder oder Haus. Kinder muss man sich leisten können.
Dies geht nur für Hausbesitzer, für gut verdienende, deren Partner nicht
Vollzeit arbeiten muss, oder Menschen die mit Sozialhilfe einverstanden sind.
Sozialhilfe
ist das Angebot, das der Staat Frauen macht, die Kinder wollen. Welche Angebote
macht der Staat Unternehmern, die nicht Kinder, sondern Waren produzieren?
Der
Trick ist die Trennung des Menschen
-
vom Land: Die Ernährungsgrundlagen gehen verloren
-
von seinem Dorf: Fabrikarbeit, Umsiedlung
-
von seiner Familie: Umzug zur Arbeitsstelle
-
vom Partner: Überforderung und Sorgen zermürben die Partnerschaft
Mit
jedem Schritt benötigt der Einzelne mehr Waren und Dienstleistungen, die er
fremd einkaufen muss. In einem ostasiatischen Land wurde ein Cocacola-Vertreter
gefragt, was ihm bei der Vermarktung am meisten Probleme mache. Er sagte, die größte
Konkurrenz sei das Angebot und die Angewohnheit der Menschen hier, Wasser mit
einem Schuss Zitrone zu trinken.
Dort,
wo das Dorfleben noch existiert, werden Gewohnheiten weitergegeben verbunden in
einem sozialen Normenkontext. Man macht das und das. Chancen haben
Industrieprodukte erst, wenn der soziale Zusammenhalt nicht mehr da ist und
Menschen schon ausgerichtet sind auf die Angebote der Industrie. Unsere Kinder
lernen die Sprache der Werbung und Produkte schneller als die deutsche Sprache.
Didaktisch ist das wirtschaftliche Marketing der Schulpädagogik weit voraus.
Kinder verstehen gleich, was für die Zukunft wichtig ist. Wohin gehöre ich,
was ist meine Familie. Was gibt Halt und Sicherheit. Unternehmen haben darauf
schnelle, klare Antworten, die eindrücklich dargestellt werden.
Das spüren Kinder, und auch Erwachsene. Die Botschaft ist folgende:
Sicherheit kommt von Großunternehmern. Sie beliefern uns mit Nahrung, Kleidung,
Wohnungseinrichtungen und Geld. Was wollen wir mehr. Das ist Wohlstand. Dazu
sind sie immer für uns da (Tag und Nacht) im Gegensatz zu Kirchen, die oft
geschlossen sind und sozialen Einrichtungen.
Wir
brauchen nur das eine: Arbeitsplätze, damit wir Geld bekommen für all den
Segen, der auf uns herabkommt.
Menschen,
die so aufgewachsen sind, kennen nichts anderes als dieses System. Diese
Generation wird alles dafür tun, damit es auch funktioniert. Sie wird alles dafür
opfern. Arbeitgeber können alles verlangen vom arbeitswilligen Menschen.
Fabrikarbeit heute ist die moderne Sklavenarbeit. Der Unterschied ist nur, dass
der Familienanschluss fehlt, die die Sklaven im alten Rom hatten. Aber Firmen
versuchen zum Teil so etwas ähnliches zu erzeugen. Dazu kommt, dass der Sklave
von heute nach geleisteten Diensten entlassen wird in eine Einsamkeit, die ihm
im Alter bei Pflegebedürftigkeit nur mehr das Heim anbietet mit einer
menschenunwürdigen Betreuung. Bei Sklaven sorgten die Herren früher auch für
die Kinder und die Alten. Die heutigen Herren benutzen nur den arbeitsfähigen
Menschen, das andere interessiert sie nicht mehr. Wie viele Menschen kommen
nicht mehr zurecht, wenn sie in Rente sind. Sie fühlen sich sinnlos, ohne ihren
(Arbeits-)Platz, der ihnen Identität gab. Viele sterben daran.
Bei
dem kommenden Schwinden von Erwerbsarbeit werden die Standards sinken. Schon
jetzt muss man bereit sein, fast alle (Fremd-)Arbeiten anzunehmen, wenn man
arbeitslos gemeldet ist und Bezüge erhält. Die Menschen werden bereit sein, für
wenig Geld zu arbeiten und schlechte Bedingungen zu akzeptieren. Da
Erwerbsarbeit und Leben bei uns getrennt sind, interessiert nicht, ob ein Mann
Kinder hat, die täglich Zeit von ihm brauchen.
Kinder
konkurrieren mit Geld. Bei der Entscheidung Kind oder Fremdarbeit muss die
Entscheidung für die Fremdarbeit, gegen das Kind ausfallen. In unserem System können
Menschen ohne Fremdarbeit nicht überleben. Sie können ohne dies keine Kinder
bekommen. In welchem armen Land ist dies in diesem Ausmaß gegeben??? Wo, in
welchen Ländern gibt es für Menschen auch diesen Zwiespalt, diese Option, dass
Firmen um die Elternzeit konkurrieren?
Unsere
Gesellschaft hat noch nicht verstanden, warum in sogenannten ärmeren Ländern
mehr Kinder geboren werden. Ganz einfach: Für die eigenen Lebensgrundlagen
braucht man dort nicht so viel Geld. Es sind nicht unsere hohen Ansprüche.
Nein. In diesen Ländern existiert nicht das Gefühl von Not und ständiger
Unsicherheit. Die Menschen sind nicht mit Haut und Haar abhängig von einer
wachsenden Wirtschaft. Sie leben in ihrer Familie und Dorfgemeinschaft. Für das
allernötigste an Materiellem ist gesorgt. Wichtiger noch als das Materielle ist
dort der soziale Zusammenhalt, die Familie. Echte Not ist für diese Menschen,
wenn die Familie nicht zusammen ist, oder es Streit gibt.
Die
eigentliche Not besteht bei uns, sie entsteht dort, wo es keine gegenseitige
Hilfe gibt, wo kein Miteinander mehr herrscht, wo Familie zerbrochen ist.
Not
entsteht auch, wo kein Landeigentum da ist. Dies gilt für viele arme Länder,
wo Menschen vertrieben sind oder schon vor Jahrhunderten des eigenen Lands
beraubt wurden.
Die
industrielle Fertigung versuchte, Eigenarbeit durch Fließbandarbeit zu
ersetzen. In Maßen ist dieser Ansatz sinnvoll. Wenn er aber den Menschen der
Arbeit beraubt, die er selber zu Hause tun könnte, ist es ein Unglück und
erzeugt Mangel. Unsere Zeit hat dem Menschen die (Eigen-)Arbeit weggenommen. Der
Einzelne wurde gezwungen, seine Tätigkeit zu Hause aufzugeben. Dafür erhält
er Serienprodukte, die niemals so gut sein können wie das, was ein Handwerker
im Dorf genau für die ihm bekannte
Familie anfertigt.
Der
Prozess des Stehlens von Arbeit geht weiter. Da die Produkte sich nicht mehr
vermehren lassen, werden jetzt Dienstleitungen angeboten. Dazu hilft, dass
Menschen in Fremdarbeit sind und selber zu wenig Zeit haben, sich um die eigenen
Angelegenheiten zu kümmern.
Die
Frage, ob auch Frauen arbeiten gehen müssen und was dies bedeutet, bewegt schon
seit langem die Gemüter. Die Frage ist, was geschieht mit der Arbeit, die die
Frauen bisher verrichteten? Ist die Tageseinrichtung für Kinder der richtige
Weg? Hausarbeit ist jedoch mehr als das. Was ist mit der Familienarbeit im Sinne
von sozialpsychologischer und Erziehungsarbeit?
Wohlstand
gibt es nur für Familien, nicht für Fabriken. Trotzdem gibt es eine klare
Wohlstandsverschiebung in Richtung Wirtschaft. Sie eignet sich immer mehr Zeit
und Energie des Menschen an. Inzwischen sind ganze Familien Leibeigene. Sie
geben ihre Zeit und bekommen untaugliche Serienprodukte, die auch krank machen.
Die Lebenszeit ist weg, da diese nicht serienmäßig produziert werden kann.
Damit fehlt die Grundlage für Kinder. Wo kein Familienleben mehr ist, ist auch
kein Platz für alte, pflegebedürftige Menschen, für Behinderte, oder........
für Arbeitslose. Denn in einer funktionierenden Familie gibt es genug Arbeit für
Alle.
Der
Triumph der modernen Wirtschaft ist die Erzeugung von Arbeitslosen. Menschen,
die zu Hause sitzen und sich nicht zu Hause fühlen, da ihre Identität mit der
Firma verbunden ist. Menschen, die sich sinnlos fühlen ohne die Kollegen. Wen
wundert es da, wenn der Partner sich vernachlässigt und alleine fühlt und sich
trennt von einem Menschen, der sich eigentlich mit der Firma verheiratet ist..
Aber
oft sind ganze Familien einbezogen in die Arbeitswelt. Leibeigenschaft ist, wenn
ein Großteil der Lebensvollzüge auf ein Fremdsystem ausgerichtet ist und die
Grundsicherung nicht mehr selbständig gewährleistet werden kann. Insofern sind
Familien in unserer Gesellschaft meistens Leibeigene.
Nur
in einer Dorfähnlichen Gemeinschaft kann es gelingen, Fremdarbeit wieder in
Eigenarbeit umzuwandeln, sich Zeit wieder anzueignen. Zeit und Arbeitskraft
braucht man, um ein Dorf existenzfähig zu erhalten und aufzubauen. Wenn die
sogenannte Arbeitslosigkeit steigt, wird die Chance wachsen, die eigenen Kräfte
zu reaktivieren. Alleine ist das nicht möglich. Aber in Gemeinschaft kann man
beginnen, miteinander etwas zu tun und aufzubauen. Das Miteinander erzeugt die
Energie, die Auseinandersetzung die emotionale Wärme, die für soziale familiäre
Prozesse von grundlegender Bedeutung sind.
Es
gibt viel zu tun. Begonnen werden muss damit, die einzelnen Elemente für die
eigene Grundsicherung zusammenzustellen. April 2005
1.
Bewusstmachung der Elemente
2.
Wer kann was, kann was beitragen
3.
Womit fängt man an. Ein oder zwei Themen zu Beginn.
4.
Auf einem Gebiet Erprobung von Teamarbeit, Entscheidungsfähigkeit, der
Gemeinschaft
5.
Wer braucht was, je nach Lebenssituation
Es
gibt viel zu tun, nicht mehr als Fremdarbeiter, sondern
für
die Sicherung der eigenen Lebensgrundlagen. Diese sind:
Sinn,
Zeit für einander, Pflege von Land.
Es
gibt viel zu tun. Packen wir es an.